Mittwoch, 26. Oktober 2011

VERSPRECHEN

VERSPRECHEN
Ein Bett, ein Fenster, ein kalter Boden, eine Tür. Unbequem, hässlich, unbequem, hässlich. Außerdem gibt es einen Stuhl und eine Spüle. Die Spüle ist toll, da kommt Wasser raus und ich liebe es, daraus zu trinken. Es erinnert mich einfach daran und das Gefühl tut so gut. Das Wasser ist in meinem Mund und es verändert sich in meiner Fantasie. Ich spüre, wie ich es runterschlucke und das langsame Gefühl, wie mein Blut wärmer wird, wie ich anfange zu vergessen, es ist so schön.

Vor drei Monaten hatte ich noch meine Kinder bei mir, meine Kinder sind wundervoll. sind nicht nur clever und liebevoll, sondern noch empathisch wie keine anderen. Und wie schön sie sind! Sie haben nur das Beste von Andreas und mir geerbt. Meine schöne Lily und mein kleiner Elias. Ich vermisse sie so sehr...

Es ist hier unerträglich. Ich fühle mich wie im Gefängnis. Und vorallem bekomme ich rein garnichts. Nichts! "Es ist strengstens verboten und für sie nur das Beste." Die haben doch keine Ahnung was für mich das Beste ist! Es ist zwecklos, keine Ausnahmen werden genehmigt.

Ich weiß noch, da war Elias im Krankenhaus, es war eine schlimme Zeit. Dass er eine Glatze bekam, fand er garnicht so schlimm. Er fand sie sogar toll, weil sein Lieblingsschauspieler auch eine Glatze hat. Natürlich haben ihn die Blicke der anderen Kinder gestört, aber es war für ihn okay. Aber die Therapie hat ihn sehr geschmerzt, ich habe es nicht ertragen können. Mein kleiner Elias... er sollte mit seinen Freunden Fußball spielen und mir sagen, dass er den Ball in das Fenster des Nachbarn geschossen hat, er hätte nicht im Krankenhaus liegen, seine Glatze toll finden und Schmerzen haben sollen. Da ich über die Nächte nicht bei ihm sein konnte, war ich nachts alleine zu Hause. Lily schlief natürlich schon, Andreas auf der Arbeit. Und dann sah ich ihn auf unserem Nachttisch und...

"ICH BRAUCHE JETZT WAS, GOTTVERDAMMTE WELT!", schreie ich in mein schlichtes Zimmer hinein. Ich gehe im Zimmer hin und her und ziehe an meinen Haaren. "ICH HALTE DA NICHT AUS! NEIN, ICH BRAUCHE JETZT WAS ZU SAUFEN!"

Der erste Rausch war geil. Ich trank zu viel. Anfangs betrank ich mich 1 -2 Mal in der Woche. Er gab mir Halt, ich fande es schön, vergessen zu können. Deswegen häufigte es sich. Schließlich trank ich jeden Abend, bis ich mich in den Schlaf trank. Ich erinnere mich, an einen Abend, da hatte ich schon eine halbe Flasche intus und Lily stand im Zimmer und fragte, wieso ich nicht ans Telefon ginge. Sie fing an zu weinen weil sie nicht wusste, was los ist, da sie mich noch nie betrunken gesehen hat.

"Bitte, bitte lieber Gott, nimm mir diesen Schmerz, schenke mir Durchhaltevermögen. Habe ein Auge auf meine Tochter und passe auf meinen kleinen Elias da oben auf."

Es ging so schnell. Scheidung, Verlust des Sorgerechts, Tod meines Sohnes, jeden Tag Rausch bis zur Besinnungslosigkeit. Und dann kam Andreas in meiner von der Staat bezahlten Wohnung und sagte: Ich gebe dir mein Wort: gehst du in den Entzug, darfst du Lily sehen!

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